Erfahrungsbericht dreier Studentinnen in Kampala

The gap between rich and poor

Theresa Kuba, Theresa Ellerbeck und Annelie Sievert in Kampala

Theresa Kuba, Theresa Ellerbeck und Annelie Sievert in Kampala

Montag, 05.03.2018 08:10 Uhr:

Die Security Dame des Hostels öffnet uns das Tor. Wir biegen an der Hauptstraße links ab und manchen uns auf den Weg in die Grundschule St. James. Während alle Blicke der Einheimischen auf uns gerichtet sind, suchen wir vergeblich den Fußgängerweg. Auf dem 20-minütigen Fußweg zur Schule begegnen uns viele Menschen, die scheinbar auf dem Weg zur Arbeit sind.

IMG_1112Außerdem treffen wir auf Hühner, Ziegen und eine Kuhfamilie. Wir passieren einen kleinen selbstgebauten Stand, an dem „Chapati“, das Lieblingsgericht der Einheimischen verkauft wird. Wir werden von Kindern auf der anderen Straßenseite begrüßt, sie winken uns zu und freuen sich. Sie rufen aufgeregt „Mzungus“ – „Weiße“ in unsere Richtung und zeigen mit dem Finger auf uns.

Montag, 08:30 Uhr:

An der Schule angekommen, fragen wir uns, ob wir hier wirklich richtig sind.

IMG_1494Denn die Schule ist für europäischen Augen nicht erkennbar. Nur die Vielzahl der Kinder in Schuluniform weist darauf hin, dass hier eine Schule ist. Nachdem wir freundlich von der Schulleitung und unserer Betreuerin begrüßt wurden, wird uns das Schulgelände gezeigt und einige Klassen vorgestellt. Wir gehen von Lehmhütte zu Lehmhütte, bis wir in einer Klasse Platz für den heutigen Tag finden. Beim Betreten des Klassenzimmers stehen alle 120 Schüler der Klasse auf und begrüßen uns im Chor. Hinten finden wir auf einer Holzbank Platz.

IMG_2284Die Kinder stapeln sich regelrecht auf ihren Bänken, ihre Schuluniformen sind meist zu groß oder zu klein und abgenutzt. Das Klassenzimmer ist dunkel. Es gibt keine Elektrizität und nur kleine Fenster ohne Fensterscheiben, welche keinerlei Schutz vor Wind und Wetter bieten. Die Sonne scheint auf das Blechdach und heizt das Klassenzimmer auf, die Hitze staut sich. Obwohl weit über 100 Kinder auf engstem Raum zusammensitzen ist es erstaunlich ruhig und diszipliniert. Alle Blicke sind auf die Tafel gerichtet, das einzige Medium neben der Lehrkraft. Berge von Heften stapeln sich auf dem Lehrertisch. Der Unterricht beginnt und wir bemerken, dass dieser ganz anders von statten geht als bei uns. Der Lehrer spricht vor, die Kinder sprechen monoton und ohne nachzudenken nach. Gibt es Wortmeldungen oder haben die Kinder eine Antwort auf die Frage der Lehrkraft, so äußern sie diese im Stehen.

Montag, 10:30:

3b36ffa1-deb7-4fc9-9700-50639cda9725Es ist Pause. Wir bewegen uns vom Klassenzimmer zur schulinternen Bibliothek, in welche den Schülern keinen Zutritt gewährt wird. Auf dem Weg dorthin berühren uns zahlreiche Kinderhände. Sie scheinen regelrecht begeistert von unseren Haaren zu sein und wollen unsere weiße Haut berühren. Auch wenn die St. James Schule nicht viel hat, kümmern sich alle gut um ihre Gäste: Die Lehrer stellen uns Wasser, Tee, Kaffee und eine Schale Eier zum Essen bereit. Sie sagen uns wie wertvoll Eier sind. Die Schüler bekommen einmal die Woche eins. Zur Pause bekommen die Kinder sonst nur eine Tasse flüssigen Haferbrei. Wir erfahren jetzt Näheres über die Klasse und Allgemeines über das Schulkonzept. Integration ist dem Schulleiter sehr wichtig. Ziel dieser Unterstützung ist jedoch nur die Sozialisierung und nicht die individuelle Förderung. In der dritten Klasse, in der wir heute sind, befinden sich Kinder im Alter von 9-15 Jahren.

Montag, 11:00 Uhr

Nach der Pause schreiben die Kinder die Tafelanschrift ab. Immer wieder gehen sie an das Lehrerpult und schnitzen mit einem Teppichmesser die Bleistifte wieder spitz. Beim Anschauen der Hefte wird uns bewusst, dass einige Kinder noch große Probleme mit dem Schreiben haben. Uns fällt auf, dass viele Schüler nur in ihren Heften herumkritzeln und vergeblich versuchen den Tafeleintrag abzuzeichnen. Uns wird klar, dass sich die Schüler auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden.
9f90d15b-7e51-408f-b4e4-e2c2a163a142In der letzten Stunde nehmen wir an einer Sportstunde teil. Die 120 Schülerinnen und Schüler bewegen sich in Zweierreihen auf die unebene Fläche neben der Kirche. Barfuß rennen, tanzen und turnen die Kinder über Dreck, Steine und Schlaglöcher. Freie Bewegung kommt durch die militärischen Ansagen des Sportlehrers zu kurz.

Montag, 13:00

Wir begeben uns auf den Heimweg und lassen den Tag Revue passieren.

Montag, 19.03.2018, 7:30

Die Security Dame des Hostels öffnet uns das Tor, wir biegen an der Hauptstraße rechts ab und machen uns auf den Weg in die GEMS Cambridge International School Kampala. Nach einem zehnminütigen Fußweg bahnen wir uns den Weg durch sämtliche LegoSicherheitschecks, vorbei an Polizeihunden, zum Eingang der Schule. Wir betreten eine riesige, kunstvoll dekorierte Empfangshalle. An der Rezeption tauschen wir unseren Reisepass durch einen Besucherausweis ein. Die Sekretärin bittet uns auf dem luxuriösem Sofa Platz zu nehmen. Nach kurzer Zeit werden wir vom Schulleiter der Grundschule empfangen und durch das Gebäude geführt. In einer Schulküche wird den Kinder von einem Chefkoch das kochen beigebracht, während einige Kinder im Lego Education Raum eigene Figuren oder Roboter bauen und das Programmieren erlernen. Ein Mac Book Raum bietet viel Gelegenheit zum Recherchieren. Wir gehen über den Pausenhof, der unzählige Spielmöglichkeiten bietet, in das Gebäude des Kindergartens und der Primarstufe. Vorbei an einem weiterem Security Posten gehen wir weiter in die 1. Jahrgangsstufe. Die 10 Kinder und die zwei Lehrkräfte begrüßen uns höflich.

Montag, 8:30

In der ersten Stunde wird Französisch unterrichtet. Die Kinder sitzen vor dem Whiteboard auf einem großen Teppich und lernen Farben und Körperteile. Französisch ist oft eine dritte Sprache für die Kinder, die sie schon ab dem Kindergarten erlernen. In der zweiten Stunde liest uns ein Schüler ein Buch vor. Der Lesefluss und die Intonation sind nahezu fehlerfrei. Die Kinder sind fähig Texte zu verfassen und Geldbeträge in verschiedene Währungseinheiten umzurechnen. Jeder Schüler hat ein eigenes Tablet, an dem oft gearbeitet wird. Ungläubig hören die Kinder zu, als wir von der St James berichten. Eine Schule ohne Swimming Pool ist für sie unvorstellbar.

Montag, 10:00

Die Schülerinnen und Schüler versammeln sich in ihrem Pausenraum. Frisches Obst, Saft und Sandwiches stehen schon bereit. Auch wir dürfen uns bedienen. Anschließend gehen wir zur Schwimmstunde. Ein externer Schwimmlehrer leitet die Stunde, während die beiden Lehrkräfte die Schüler zusätzlich betreuen. Die Kinder spielen und toben im Wasser. Alle Kinder beherrschen das Schwimmen schon sehr sicher.

Montag, 12:00

IMG_2726Wir gehen in die Mensa. Eine überdachte Terrasse mit umwerfendem Ausblick bietet Platz für die ganze Schule. Auch wir dürfen am Buffet zwischen einem einheimischen und einem westlichen Gericht wählen. Der Schulleiter setzt sich zu uns und informiert uns über das Förderprogramm der Schule. Zusätzlich zum Schulgeld in Höhe von 20.000 $ im Jahr, müssen die Eltern der Kinder mit Beeinträchtigungen einen Förderbetrag zahlen. Dafür hat jedes Kind seinen eigenen qualifizierten Betreuer, der es individuell fördert und mit in das Schul- und Klassengeschehen einbindet. Jeden Monat werden die Eltern über die Fortschritte ihres Kindes informiert, welche erstaunlich sind.

Montag, 13:00

Mit einem Coffee-To Go aus der Lehrer-Cafeteria holen wir unseren Pass ab und machen uns auf den Weg nach Hause.

Diese beiden Schulen trennen lediglich 30 Minuten Fußweg. Zwei Welten, die parallel zueinander existieren. Eine Erfahrung, die kaum in Worte zu fassen ist.

Theresa Kuba, Theresa Ellerbeck, Annelie Sievert